Kirchengemeinde Hl. Dreifaltigkeit Hunteburg

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Predigten

Gedanken zu den Terroranschlägen von Paris

Hunteburg, 9. Januar 2015

Liebe Schwestern und Brüder,

Die Ereignisse von Paris schockieren uns: Zwei islamistische Terroristen dringen in die Redaktion einer Satire-Zeitschrift ein und töten zwölf Menschen. Ein anderer islamischer Terrorist nimmt Geiseln in einem jüdischen Supermarkt und tötet vier Menschen. Am Freitag wurden die Terroristen umstellt. Bei einem Feuergefecht wurden sie getötet.

Am Mittwoch hat Papst Franziskus in einer Stellungnahme das Attentat verurteilt. Die Vatikanische Pressestelle schreibt:

„Mit deutlichen Worten hatte der Papst bereits am Mittwochabend den Mordanschlag von Paris verurteilt. Eine Erklärung seines Pressesaals spricht von einem „furchtbaren Attentat, das Tod gesät hat und die ganze französische Gesellschaft in Unruhe versetzt hat“. Die Schüsse des Killerkommandos mitten in Paris, bei denen vier Mitarbeiter der Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ sowie acht weitere Menschen ums Leben kamen, „verstört alle Menschen, die den Frieden lieben, tief, und weit über die Grenzen Frankreichs hinaus“.

„Was auch immer das Motiv sein mag: Mörderische Gewalt ist abscheulich“, urteilt der Text aus dem Vatikan abschließend. „Sie ist nie zu rechtfertigen. Das Leben und die Würde aller Menschen muss entschieden garantiert und geschützt werden, jedes Anstacheln zum Hass muss zurückgewiesen und der Respekt vor dem anderen gepflegt werden.“ Papst Franziskus sei „in diesem schmerzlichen und dramatischen Moment“ solidarisch mit allen, „die weiterhin konstant für den Frieden, die Gerechtigkeit und das Recht eintreten, um die Ursachen des Hasses an der Wurzel zu heilen“.

Liebe Schwestern und Brüder,

viele Politiker und Journalisten haben gesagt, dass die Terroranschläge auf die Satire-Zeitschrift in Paris so etwas wie „unser 11. September“ sind. Der Terroranschlag in Amerika auf das World Trade Center war ein schrecklicher Anschlag. Denn das World Trade Center war eben auch ein Symbol, ein Zeichen für die USA und für die freiheitliche Art, wie die Menschen in den USA leben. Und genau das wollten die islamistischen Fanatiker angreifen und zerstören. Das macht den Anschlag in Paris anders als die anderen Anschläge, die es bisher in Europa gegeben hat: Die Terroristen haben ganz bewusst das Satire-Magazin angegriffen. Und damit haben sie ganz bewusst die freie Presse, die Meinungsfreiheit, und die Demokratie – unsere Art zu leben – angriffen.

Nach dem Schock kommen die Fragen: Wie gehen wir mit diesem schrecklichen Anschlägen um? Wie reagieren wir darauf? Mir gefällt das, was die führenden Politiker gesagt haben: Gerade jetzt ist es wichtig, einen kühlen Kopf zu behalten. Nüchtern analysieren und nüchtern handeln. Denn Angst ist kein guter Ratgeber. Und Hass auch nicht

Als erstes ist da die Trauer um die Opfer: Es ist gut, dass wir an die Opfer denken und für sie beten. Es ist auch ein starkes Zeichen, dass unsere Bundeskanzlerin, Angela Merkel, nach Paris fährt, um dort am Trauermarsch teilzunehmen. Das ist ein starkes Zeichen der Freundschaft und der Solidarität mit Frankreich.

Liebe Schwestern und Brüder,

Die Frage, die jetzt überall gestellt und diskutiert wird ist die: Was ist der Islam für eine Religion? Müssen wir vor dem Islam Angst haben? Und auch bei dieser Frage müssen wir ruhig und mit kühlem Kopf auf die Fakten schauen.

Erstens: Die meisten Muslime wollen mit ihren Familien in Frieden leben. In Frankreich, in Deutschland, und in allen anderen Ländern. In Bohmte haben sich der Kirchenvorstand und der Pfarrgemeinderat schon öfters mit der Türkischen Moscheegemeinde getroffen. Es waren immer gute und freundschaftliche Begegnungen.

Zweitens: Es gibt im Islam aber auch Strömungen, die wollen einen ganz anderen Staat: Das sind die Islamisten, oder Salafisten oder Djihadisten. Das sind die Leute vom Islamischen Staat, von Boko Haram, von Al Kaida und von vielen anderen Gruppen. Diese Fanatiker wollen die Scharia einführen. In jedem Land der Welt. Sie wollen einen islamischen Gottesstaat aufbauen. Ihre Imame sind Hassprediger. Und jeden, der anders denkt als sie, sehen sie als Feind und bekämpfen ihn.

Es ist wichtig, dass wir das unterscheiden: Die große Mehrheit der Muslime will im Frieden leben. Da ist es wichtig, dass wir uns treffen. Das man miteinander spricht. Dass wir uns kennen lernen. Deshalb ist es gut, dass es im Februar das nächste Treffen mit der St. Thomasgemeinde und mit der türkischen Moscheegemeinde in Bohmte gibt.

Aber es gibt da auch die Gruppe der Islamisten, der Fanatiker. Und da muss unser Staat ganz konsequent sein. Da darf es keine falsche Toleranz geben. Und da dürfen wir nicht naiv sein.

Liebe Schwestern und Brüder,

noch ein letzter Punkt: Es gibt Leute, die meinen, dass es hier um einen Kampf der Kulturen geht, um einen Kampf der Religionen: Muslime geben Christen.Aber das stimmt nicht. Das sehen wir, wenn wir auf Syrien schauen oder auf den Irak: Da kämpfen die fanatischen Islamisten geben Muslime. Die Islamistischen Terroristen töten da Muslime. Es ist kein Kampf der Kulturen. Es ist kein Kampf der Muslime gegen die Christen. Es ist der Kampf der Islamischen Terrorristen, der islamischen Fanatiker, gegen alle, die anders denken. Die Islamistischen Dhjihadisten greifen in Indien die Hindus an. In Paris greifen sie vor allem Juden und Atheisten an. In Nigeria greifen sie Christen an. Im Irak und Syrien töten sie Muslime. Das Problem ist nicht der Islam. Das Problem ist der Islamismus. Das Problem sind die islamischen Fanatiker.

Liebe Schwestern und Brüder,

Die Terroranschläge von Paris sind grausam und schrecklich. Und das sind einige Gedanken, wie ich meine, dass wir mit der Situation umgehen sollten:

Erstens: Wir sollten keine Angst haben. Und keinen Hass.

Zweitens: Wir sollten für die Opfer von Paris und für ihre Familien zu beten.

Drittens: Es ist wichtig, Begegnungen mit den friedlichen Muslimen zu suchen und zu organisieren. Vorurteile bauen sich am besten durch Begegnung und Dialog ab.

Viertens: Gegen die Fanatischen Islamisten muss unser Rechtsstaat klar und konsequent vorgehen.
Und fünftens: Es gibt keinen Krieg der Religionen.

Es gibt einen weltweiten Kampf der islamistischen Terrormilizen gegen jeden und alle, die anders denken als sie selbst.

Ich möchte Sie einladen, dass wir nun – am Ende der Predigt – das Gebet der Vereinten Nationen beten.

Ein Gebet um Frieden:

Herr, unsere Erde ist nur ein kleines Gestirn im großen Weltall. An uns liegt es, daraus einen Planeten zu machen, dessen Geschöpfe nicht von Kriegen gepeinigt werden, nicht von Hunger und Furcht gequält, nicht zerrissen in sinnlose Trennung nach Rasse, Hautfarbe oder Weltanschauung. Gib uns Mut und Voraussicht, schon heute mit diesem Werk zu beginnen, damit unsere Kinder und Kindeskinder einst stolz den Namen Mensch tragen.
Amen.